Mutausbruch · Manuela persönlich

Wenn das Leben nur noch aus Durchhalten besteht

Arbeiten. Sport. Abends oft ein Glas Rotwein, um den Stress des Tages herunterzufahren.

So sah mein Alltag lange aus. Ich hielt mich beschäftigt. Beim Sport trieb ich mich oft über meine Grenzen, nur um mich zu spüren.

Heute würde ich sagen: Ich war teilweise wie eine Maschine. Damals hätte ich das nicht so benennen können.

Nur noch funktionieren, ohne es selbst zu merken

Ich hatte mir einen Tunnel gebaut. Darin war ich so mit dem Weitermachen beschäftigt, dass ich nicht mehr mit Abstand auf mein Leben schauen konnte.

Ich wusste, dass die Situation schwer war. Wie sehr ich mich im Funktionieren eingerichtet hatte, habe ich erst im Rückblick verstanden.

Ich konnte nicht einfach gehen

In meinem ersten Mutausbruch-Artikel habe ich erzählt, was die vermeintliche Sicherheit bei der Bundeswehr für mich bedeutete. Dazu gehört eine ganz konkrete Grenze: Ich hatte mich für zwölf Jahre verpflichtet. Einfach kündigen war keine Option.

Ich habe versucht, von innen etwas zu verbessern. Oft gegen viel Gegenwind.

Wenn es besonders schlimm wurde, blieb mir vor allem ein Gedanke: Danach.

Diese Zeit würde enden. Es gab ein Datum. Daran konnte ich mich festhalten, auch an Tagen, an denen sich nichts änderte.

Das Studium gab meinem Danach eine Richtung

Noch vor dem Ende meiner Dienstzeit habe ich mein Studium begonnen.

Es war für mich damals so etwas wie ein Lebensretter. Nicht, weil es alles gelöst hätte. Sondern weil es mir eine sinnvolle Aufgabe gab und eine Perspektive. Etwas, auf das ich mich konzentrieren konnte und für das sich das Durchhalten lohnte.

Von meinem heutigen Leben im Van hatte ich keine Vorstellung. Das musste ich auch nicht. Es reichte zu wissen: Danach baue ich mich neu auf.

Das Studium änderte nichts an meinem Vertragsende. Aber es veränderte, worauf ich zuging.

Der Morgen, an dem ich nicht mehr zurückmusste

Als ich am letzten Tag die Kaserne verließ, fiel unglaublich viel von mir ab.

Der nächste Morgen fühlte sich an wie eine Befreiung.

Ich war im Danach angekommen.

Was das mit deinem Leben zu tun haben könnte

Vielleicht erkennst du etwas von diesem Funktionieren wieder, obwohl dein Alltag ganz anders aussieht.

Vielleicht weißt du auch sehr genau, warum Veränderung gerade schwierig ist. Du brauchst dein Einkommen. Du sorgst für andere. Du bist an einen Vertrag gebunden oder musst mit deiner Gesundheit haushalten. Das sind keine Ausreden. Das sind Bedingungen.

Ich hatte damals ein festes Enddatum. Vielleicht fehlt dir genau das. Und nicht jede zusätzliche Aufgabe trägt. Manchmal ist sie einfach zu viel.

Was ich aus dieser Zeit mitnehme, ist eine Frage: Gibt es innerhalb dessen, was gerade feststeht, etwas, das ich selbst gestalten kann?

Wenn du magst, bleib eine Weile bei diesen drei Fragen:

  • Was ist im Moment tatsächlich festgelegt, und für wie lange?
  • Was habe ich schon versucht, und was kam dabei heraus?
  • Welche Aussicht würde mir etwas bedeuten, ohne mich jetzt zusätzlich zu überfordern?

Du musst darauf nicht sofort Antworten haben. Ich hatte sie damals auch nicht.

Wenn du dich seit längerer Zeit erschöpft fühlst, ist die erste Adresse deine Hausärztin oder dein Hausarzt, nicht ein Coaching.

Fragen, die nach dieser Geschichte bleiben

Muss ich schon wissen, wie mein anderes Leben aussehen soll?

Nein. Ich wusste damals nur, dass ich mich nach der Bundeswehr neu aufbauen und auf mein Studium konzentrieren wollte. Für eine erste Richtung musst du nicht jede spätere Entscheidung kennen.

Was, wenn ich meine Situation gerade nicht verlassen kann?

Dann gehören diese Grenzen dazu, und zwar ernsthaft, nicht als Hindernis, das man wegdenkt. Ich war zwölf Jahre gebunden. Welchen Spielraum du hast, lässt sich nur an deiner konkreten Situation klären.

Ist eine zusätzliche Aufgabe nicht noch mehr Belastung?

Das kann sie sein. Mir hat das Studium damals Halt gegeben. Daraus folgt nicht, dass mehr Beschäftigung jedem hilft. Eine Veränderung muss unter deinen Bedingungen tragbar sein.

Wenn du deine eigene Situation sortieren möchtest

Vielleicht hat dich etwas in diesem Text an deinen Alltag erinnert. Wenn du darüber sprechen möchtest, können wir uns 20 Minuten kennenlernen. Du erzählst, was dich beschäftigt. Gemeinsam schauen wir, ob meine Begleitung zu dir passt.

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Manuela Mohr · B.Sc. Wirtschaftspsychologie (Schwerpunkte Personal- und Organisationspsychologie), ausgebildete systemische Coachin. In Mutausbruch schreibe ich über meine eigenen Erfahrungen mit Veränderung. Mehr über mich