Mutausbruch · Manuela persönlich

Von der Sicherheit, die keine war, zum Mut, neu anzufangen.

Warum zu wissen, was man nicht mehr will, manchmal der Anfang einer neuen Richtung ist.

Hauptschule, Ausbildung, erste Jobs. Dann die Bundeswehr.

Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, als ich unterschrieben hatte:

Jetzt hast du es geschafft.

Ein sicherer Arbeitsplatz. Gutes Gehalt. Eine Perspektive. Eigentlich alles, von dem ich gelernt hatte, dass es einen „guten“ Berufsweg ausmacht.

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass Sicherheit und Zufriedenheit zwei völlig unterschiedliche Dinge sein können.

Meine Realität bei der Bundeswehr sah anders aus, als ich sie mir vorgestellt hatte. Die Kameradschaft, die ich erwartet hatte, habe ich nicht immer so erlebt. Gute Führung war keineswegs selbstverständlich. Und als Frau war die Bundeswehr 2006 für mich nicht unbedingt ein Umfeld, in dem ich mich überall willkommen fühlte.

Das ist meine persönliche Erfahrung. Andere Menschen mögen ihre Zeit dort anders erlebt haben.

Ich blieb trotzdem.

Zwölf Jahre.

Einige dieser Jahre gehörten beruflich wie privat zu den schwersten meines Lebens. Es gab Zeiten, in denen ich nicht wusste, wie lange ich das noch durchhalte.

Ich schreibe das nicht, weil ich Mitleid möchte.

Ich schreibe es, weil wir erstaunlich selten darüber sprechen, dass auch eine vermeintlich vernünftige und sichere Entscheidung einen hohen Preis haben kann, wenn sie dauerhaft nicht zu uns passt.

Irgendwann kam bei mir etwas anderes dazu: Trotz.

Und dieser Trotz hat mir wahrscheinlich mehr geholfen als jede Motivationsrede.

Wenn ich meine Situation nicht sofort verändern konnte, wollte ich wenigstens entscheiden, was ich daraus mache. Also begann ich, meinen eigenen Weg innerhalb dieser Situation zu suchen.

Dabei lernte ich etwas, das ich bis heute für enorm wertvoll halte:

Zu wissen, was man nicht mehr will, kann genauso wichtig sein wie zu wissen, was man will.

Vielleicht sogar wichtiger.

Ich wusste irgendwann sehr genau, was ich nicht mehr wollte.

Keine Sicherheit um jeden Preis.

Keine Fassade, hinter der etwas völlig anderes steckt.

Keine berufliche Umgebung, in der ich dauerhaft das Gefühl habe, nicht ich selbst sein zu können.

Und genau aus diesem „Nie wieder“ entstand langsam etwas Neues.

Nicht über Nacht. Nicht mit einem perfekten Fünfjahresplan. Und ganz sicher nicht ohne Angst.

Deshalb kann ich mit dem Satz „Du musst dich einfach trauen“ heute wenig anfangen.

Veränderung funktioniert für mich nicht so.

Angst vor Veränderung ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass der neue Weg falsch ist. Sie kann auch bedeuten, dass wir etwas verlassen, das wir kennen – ohne schon genau zu wissen, was danach kommt.

Vielleicht kennst du diesen Punkt.

Du hast einen Job, der auf dem Papier eigentlich ganz vernünftig aussieht – und trotzdem fühlt er sich schon lange nicht mehr richtig an.

Du denkst über Veränderung nach, verwirfst den Gedanken wieder und fängst erneut an.

Was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?

Was, wenn ich finanziell nicht klarkomme?

Was, wenn ich nichts Besseres finde?

Bin ich nicht eigentlich zu alt, um noch einmal neu anzufangen?

Und was, wenn ich hinterher bereue, eine sichere Situation aufgegeben zu haben?

Diese Fragen kenne ich.

Ich bin meiner Angst nicht entkommen, indem ich sie weggeredet habe.

Ich habe irgendwann angefangen, sie ernst zu nehmen – und trotzdem den nächsten Schritt zu gehen.

Nicht alle Schritte waren richtig. Nicht jeder Plan hat funktioniert. Mein beruflicher Weg war alles andere als geradlinig.

Aber aus Hauptschule, Ausbildung und Bundeswehr wurden irgendwann ein Studium, Wirtschaftspsychologie, systemisches Coaching und eine Arbeit, in der ich heute andere Menschen bei genau solchen Veränderungsprozessen begleite.

Vielleicht bedeutet Mut deshalb gar nicht, keine Angst zu haben.

Ich weiß noch nicht genau, wo ich ankomme. Aber ich weiß, dass ich nicht für immer hierbleiben möchte.

Genau darum geht es bei Mutausbruch.

Nicht um Durchhalteparolen. Nicht um „Du kannst alles schaffen“. Und auch nicht darum, das eigene Leben von heute auf morgen auf den Kopf zu stellen.

Sondern um die ehrliche Frage:

Was brauche ich, damit aus dem Gedanken an Veränderung irgendwann eine Richtung wird, die zu mir passt?

Darüber werde ich hier schreiben.

Über Zukunftsangst. Über berufliche Veränderung. Über vermeintliche Sicherheit. Über Entscheidungen. Über Zweifel. Über Neuanfänge.

Und auch darüber, dass Mut manchmal sehr viel unspektakulärer aussieht, als wir denken.

Hinweis: Coaching ersetzt keine Therapie und ist keine psychotherapeutische Behandlung. Wenn du dich in einer akuten psychischen Krise befindest oder stark psychisch belastet bist, wende dich bitte an entsprechend qualifizierte medizinische oder psychotherapeutische Fachpersonen.