Mutausbruch · Manuela persönlich
Mein Lebenslauf war nie geradlinig – heute ist genau das meine Stärke
Mein Lebenslauf sieht rückwärts betrachtet fast logisch aus.
Während ich mittendrin steckte, fühlte er sich allerdings überhaupt nicht so an.
Hauptschule. Ausbildung. Zwölf Jahre Bundeswehr. Studium. Recruiting. Bildungsberatung. Digitale Arbeitswelt. Coaching.
Lange dachte ich, ein guter Lebenslauf müsse eine gerade Linie ergeben.
Eine Entscheidung. Eine Richtung. Ein sauberer Aufstieg.
Wenn der eigene Weg wie ein Flickenteppich wirkt
Meiner war eher eine Sammlung aus Umwegen, Neuanfängen und Stationen, bei denen ich manchmal selbst nicht wusste, wofür sie später einmal gut sein sollten.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Du blickst auf deinen Lebenslauf und siehst vor allem das, was nicht zusammenpasst: einen Wechsel, eine Lücke, einen abgebrochenen Plan oder eine Tätigkeit, die mit deinem heutigen Ziel scheinbar nichts zu tun hat.
Dann entsteht schnell der Eindruck, man müsse sich erklären. Oder sogar rechtfertigen.
Heute weiß ich: Keine dieser Erfahrungen war umsonst.
Was von einer beruflichen Station wirklich bleibt
Bei der Bundeswehr habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben und mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten.
Im Studium habe ich verstanden, wie Menschen, Arbeit und Organisationen zusammenwirken.
Im Recruiting habe ich gesehen, wie Arbeitgeber auf Lebensläufe schauen – und wie wenig eine Stellenbezeichnung manchmal darüber erzählt, was ein Mensch wirklich kann.
In der Bildungsberatung habe ich erlebt, wie schwer es sein kann, aus unzähligen Möglichkeiten eine Qualifizierung auszuwählen, die nicht nur gut klingt, sondern tatsächlich zu einem beruflichen Ziel führt.
Und meine eigenen Umwege haben mir gezeigt, dass berufliche Veränderung selten mit einer fertigen Antwort beginnt.
Während ich diese Stationen durchlief, sah ich darin keinen großen Plan. Erst später erkannte ich die Verbindung.
Die Stellenbezeichnung ist nur die Verpackung
Heute arbeite ich im Coaching häufig mit Menschen, die glauben, sie könnten „nichts Besonderes“ oder hätten sich zu lange auf ein bestimmtes Berufsfeld festgelegt.
Wenn wir genauer hinschauen, taucht meist viel mehr auf:
- Probleme, die sie immer wieder gelöst haben,
- Verantwortung, die nie ausdrücklich in der Stellenbeschreibung stand,
- Menschen, die sich mit bestimmten Fragen immer an sie wandten,
- Erfahrungen aus Krisen, Veränderungen oder schwierigen Projekten und
- Fähigkeiten, die auch außerhalb des bisherigen Berufs wertvoll sind.
Eine Stellenbezeichnung ist nur die Verpackung. Für eine berufliche Neuorientierung müssen wir verstehen, was tatsächlich darin steckt.
Vier Fragen, die deinen Lebenslauf anders lesbar machen
Wenn dein eigener Weg gerade unruhig oder zusammenhanglos wirkt, nimm drei deiner bisherigen Stationen. Das müssen nicht nur Arbeitsstellen sein. Auch Ausbildung, Ehrenamt, Familienarbeit, Weiterbildungen oder größere private Projekte können dazugehören.
Beantworte für jede Station diese vier Fragen:
Was habe ich dort tatsächlich getan?
Welche Probleme habe ich gelöst?
Wofür kamen andere immer wieder zu mir?
Was davon könnte auch in einem anderen Beruf nützlich sein?
Versuche dabei, nicht bei Eigenschaften wie „teamfähig“, „belastbar“ oder „organisationsstark“ stehenzubleiben.
Beschreibe konkrete Situationen. Vielleicht hast du unter Zeitdruck Prioritäten gesetzt, komplexe Informationen verständlich erklärt, Konflikte beruhigt, Abläufe verbessert oder Menschen durch unsichere Situationen begleitet.
Genau dort werden Kompetenzen sichtbar.
Ein Umweg ist nicht automatisch verlorene Zeit
Nicht jede Station muss schön gewesen sein. Nicht jede Entscheidung war rückblickend richtig. Und nicht aus jeder schwierigen Erfahrung muss zwanghaft eine Erfolgsgeschichte werden.
Trotzdem kann etwas daraus übrig geblieben sein, das heute zu dir gehört.
Das bedeutet nicht, dass dein bisheriger Weg deine Zukunft festlegt. Es bedeutet nur, dass du nicht bei null anfängst.
Vielleicht ist dein Lebenslauf kein Flickenteppich.
Vielleicht ist er einfach noch nicht richtig übersetzt.
Heute sehe ich die Verbindung
Heute begleite ich Menschen nicht trotz meiner Umwege so, wie ich es tue.
Sondern auch wegen ihnen.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn die nächste Richtung noch keinen Namen hat. Und ich weiß, dass ein Lebenslauf mehr Möglichkeiten enthalten kann, als auf den ersten Blick sichtbar sind.
Darum geht es für mich bei beruflicher Neuorientierung nicht darum, die Vergangenheit passend zu reden.
Es geht darum, sie ehrlich zu verstehen – und daraus eine Richtung zu entwickeln, die heute wirklich zu dir passt.
Vielleicht bedeutet Mutausbruch manchmal, sich für den eigenen Weg nicht länger zu rechtfertigen – sondern endlich zu erkennen, was alles in ihm steckt.
Die fachliche Seite dazu findest du im Impuls Berufliche Neuorientierung ab 40: Wie du dich zukunftsorientiert neu aufstellst.
Wenn du deinen eigenen Weg neu lesen möchtest
Vielleicht steckt in deinem Lebenslauf bereits mehr Richtung, als du im Moment erkennen kannst. In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir, wo du stehst und ob meine Begleitung zu deinem Anliegen passt.
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