Viele fragen sich, ob ihre Arbeit in einigen Jahren noch gebraucht wird. Im selben Atemzug sagen sie: Von KI verstehe ich sowieso nichts.

Das ist keine technische Frage. Es ist eine Frage nach dem eigenen Alltag, nach Sicherheit und nach dem nächsten sinnvollen Schritt.

Vielleicht ist die Frage zu groß gestellt

Selten verschwindet ein ganzer Beruf auf einmal. Meist verändern sich einzelne Tätigkeiten darin. Manche Aufgaben werden digital unterstützt. Andere werden neu verteilt. Wieder andere bleiben, weil sie Verantwortung, Erfahrung oder direkten Kontakt brauchen.

Die Bundesagentur für Arbeit fasst es so zusammen: „Substituierbarkeitspotenzial ist nicht gleichbedeutend mit Arbeitsplatzabbau.“ Gemeint ist der Anteil von Tätigkeiten, die durch Digitalisierung oder Automatisierung ersetzt werden können. Die Aussage beschreibt deshalb eine mögliche Veränderung von Aufgaben, keine sichere Aussage über deinen Arbeitsplatz.

Erwartet wird eher eine Verschiebung von Kompetenzen und ein stetiger Qualifizierungsbedarf. Auch Nicht-Routinetätigkeiten von Spezialistinnen und Spezialisten verändern sich. Das Thema betrifft also nicht nur einfache oder wiederholte Arbeit.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen.

Welche Tätigkeiten sich zuerst verschieben

Früher verändern sich oft Aufgaben, die aus Wiederholung bestehen, nach festen Regeln laufen und viele Texte oder Daten verarbeiten. Das gilt besonders, wenn am Ende immer ein ähnliches Ergebnis steht.

Später verändern sich häufig Aufgaben, die Ausnahmen behandeln, eine Entscheidung verantworten, Vertrauen brauchen oder körperlich vor Ort stattfinden. Das ist keine starre Grenze. Digitale Werkzeuge erreichen inzwischen auch anspruchsvolle Facharbeit.

In Helfer- und Routinetätigkeiten zeigt sich der Wandel oft früh. Medizinische und nicht-medizinische Gesundheitsberufe sowie soziale und kulturelle Dienstleistungen haben eher niedrigere Werte. Fertigungs- und fertigungstechnische Berufe zeigen eher höhere Werte. Diese Richtungen helfen beim Einordnen. Sie ersetzen keine Prüfung deiner konkreten Aufgaben.

Fünf Fragen für deinen normalen Arbeitstag

Du brauchst dafür keine Technikkenntnisse. Schreib dir einen typischen Arbeitstag auf und beantworte diese Fragen:

  1. Wie viel wiederholt sich? Welche Aufgaben machst du mehrmals am Tag fast gleich?
  2. Wie fest ist das Ergebnis vorgegeben? Gibt es klare Regeln, Vorlagen oder Textbausteine, an denen du dich fast immer orientierst?
  3. Wer trägt die Entscheidung? Liefert dein Arbeitsschritt nur Informationen, oder musst du am Ende entscheiden und die Folgen verantworten?
  4. Wie oft kommen Ausnahmen vor? Was passiert, wenn ein Fall nicht in die übliche Vorlage passt?
  5. Wie viel direkter Kontakt gehört dazu? Klärst du Anliegen, beruhigst du Menschen, verhandelst du oder erklärst du etwas, das Vertrauen braucht?

Die Antworten zeigen dir, wo deine Arbeit aus festen Abläufen besteht. Sie zeigen auch, welche Fähigkeiten nicht einfach aus einer Vorlage entstehen.

Der Job-Futuromat gibt dir einen ersten Hinweis

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ist die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Es stellt mit dem Job-Futuromat ein kostenloses Werkzeug bereit.

Du kannst dort deinen Beruf eingeben und nachsehen, wie stark die Tätigkeiten in diesem Beruf von Digitalisierung und Automatisierung betroffen sein können. Der Fachbegriff dafür lautet Substituierbarkeitspotenzial.

Der Job-Futuromat bewertet Tätigkeiten in einem Berufsbild. Er sagt nicht voraus, was mit deinem Arbeitsplatz passiert. Er braucht keine Anmeldung und ersetzt weder ein Gespräch noch den Blick auf konkrete Stellenanzeigen.

Die Lücke ist meist kleiner, als sie sich anfühlt

Du musst nicht programmieren lernen. Du musst auch keine Technikexpertin werden. Häufig geht es darum, die Werkzeuge zu verstehen, die in deiner Arbeit bereits auftauchen, und sie sicher einzuordnen.

Das kann eine gezielte Weiterbildung sein. Vielleicht brauchst du digitale Grundlagen, bessere Datenkompetenz, neue Softwarekenntnisse oder mehr Sicherheit im Umgang mit KI-gestützten Anwendungen. Das ist nicht automatisch eine zweite Ausbildung.

Wichtig ist die Reihenfolge: Erst prüfen, welche Aufgabe sich verändert. Dann klären, welche Kompetenz dir konkret fehlt. Erst danach solltest du nach einer passenden Weiterbildung suchen.

Wie sich eine Weiterbildung finanzieren lässt

Wenn du arbeitslos bist oder Arbeitslosigkeit droht, kann eine Weiterbildung oder Umschulung über einen Bildungsgutschein nach § 81 SGB III infrage kommen. Wenn die Förderung bewilligt wird, können Weiterbildungskosten übernommen werden. Unter Voraussetzungen können auch Fahrtkosten und Kinderbetreuung berücksichtigt werden.

Beantragen kann man den Bildungsgutschein – ob er bewilligt wird, entscheidet die Vermittlungsfachkraft. Eine Zusage gibt es nicht automatisch. Maßnahme, Bildungsziel und persönliche Situation werden im Einzelfall geprüft.

Für die Förderung der beruflichen Weiterbildung ist seit dem 1. Januar 2025 grundsätzlich die Agentur für Arbeit zuständig, auch für Menschen in der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Das Jobcenter kann weiterhin beraten und den Bedarf mit dir besprechen. Bei einzelnen kommunalen Trägern kann die Zuständigkeit abweichen. Frag im Zweifel nach, wer deinen Fall entscheidet.

Auch wenn du beschäftigt bist, kann eine berufliche Weiterbildung unter bestimmten Voraussetzungen unterstützt werden. Dafür ist die Abstimmung mit deinem Betrieb und der Agentur für Arbeit wichtig. Ob eine Förderung möglich ist, wird auch hier im Einzelfall geprüft.

Was diese Seite nicht leistet

Dieser Artikel sagt dir nicht, ob dein Arbeitsplatz bleibt. Er nennt keine sichere Zukunftsprognose und keine Garantie für einen bestimmten Beruf. Die kann niemand seriös abgeben, ich auch nicht.

Er soll dir helfen, deine Aufgaben genauer anzusehen und die nächste Frage besser zu formulieren. Wenn du deine Situation klärst, wird aus einer großen Sorge oft eine Reihe prüfbarer Schritte.

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